„Banken drucken nicht einfach Geld. Sie sind regulierte Bilanzinstitutionen mit harten Grenzen. Wer das versteht, versteht warum Kreditzyklen enden." Warum dieser Block wichtig ist Im 3. Block haben wir gelernt, dass Banken Geld durch Bilanzverlängerung erschaffen. Das führt viele zu der falschen Schlussfolgerung, dass Banken unbegrenzt Kredit vergeben können. Wenn du diesen Block wirklich verstehst, verschwindet dieses naive Bild für immer, denn Banken sind keine beliebigen Kreditgeneratoren sondern regulierte Bilanzinstitutionen mit klaren strukturellen Grenzen. 1. Warum Banken nicht unbegrenzt Kredit vergeben können Die wichtigste harte Grenze ist das Eigenkapital . Jede Bank muss einen bestimmten Prozentsatz ihrer risikogewichteten Aktiva mit Eigenkapital unterlegen, wobei Eigenkapital kein Kundengeld ist, sondern das Kapital der Eigentümer der Bank, das Verluste absorbiert. 2. Die Kapitalquote als echtes Limit Wenn eine Bank beispielsweise eine Kernkapitalquote von 10% einhalten muss, bedeutet das: Für 100 Euro risikogewichtete Kredite braucht sie 10 Euro Eigenkapital. Wenn sie mehr Kredite vergeben will, braucht sie entweder mehr Eigenkapital, eine niedrigere Risikogewichtung oder sie muss andere Aktiva abbauen. Das ist die strukturelle Grenze, nicht die Einlagen und auch nicht die Reserven. 3. Risikogewichtung erklärt Nicht jeder Kredit belastet die Bilanz gleich stark. Staatsanleihen können sehr niedrige Risikogewichte haben, Unternehmenskredite haben höhere und spekulative Kredite noch höhere Gewichte. Das bedeutet in der Praxis: In expansiven Phasen vergeben Banken leichter Kredite, weil Sicherheiten stark bewertet sind, Ausfallwahrscheinlichkeiten niedrig erscheinen und Risikomodelle optimistisch ausgerichtet sind. In Stressphasen steigen die faktischen Risikogewichte, weil Ratings sich verschlechtern, Sicherheiten an Wert verlieren und Ausfallrisiken zunehmen. Das reduziert die Kreditfähigkeit und hier entsteht Prozyklik . 4. Liquiditätsanforderungen als zweite Grenze Neben Kapitalanforderungen gibt es Liquiditätsvorschriften . Banken müssen ausreichend hochwertige liquide Aktiva halten und kurzfristige Zahlungsabflüsse decken können. Wenn viele Einlagen gleichzeitig abgezogen werden, muss die Bank liquide Mittel vorhalten. Das begrenzt ebenfalls aggressive Kreditexpansion. 🏛️ 4. Block Kapitalanforderungen, Risikogewichtung und die realen Grenzen der Geldschöpfung 1/2 --- 5. Warum Reserven trotzdem keine direkte Kreditbremse sind Reserven sind für Settlement nötig, aber sie sind nicht der primäre Kreditlimitierer. Wenn eine Bank einen profitablen Kredit vergeben kann und ausreichend Eigenkapital hat, kann sie sich fehlende Reserven über den Interbankenmarkt, Repo-Geschäfte oder Zentralbankfazilitäten beschaffen. Die Zentralbank steuert den Preis dieser Liquidität und nicht starr ihre Menge. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Theorie und operativer Realität. 6. Prozyklik als Kern von Boom und Bust Jetzt kommt der entscheidende Mechanismus, den die meisten Trader unterschätzen. In Aufschwüngen steigen Vermögenspreise, steigen Sicherheitenwerte, sind Ausfallraten niedrig, sehen Risikomodelle stabil aus, wird Kredit günstiger und wird mehr Kredit vergeben. Das erhöht die Vermögenspreise weiter. In Abschwüngen fallen Vermögenspreise, verlieren Sicherheiten an Wert, steigen Ausfallraten, verschärfen sich Risikomodelle, wird Kredit restriktiver und stoppt die Bilanzverlängerung. Das verstärkt den Abschwung. Diese Prozyklik ist kein moralisches Problem und keine Fehlfunktion. Sie ist systemisch eingebaut und läuft automatisch ab. 7. Verbindung zu Krypto Krypto lebt von überschüssiger Liquidität, hoher Risikobereitschaft und expansiven Kreditbedingungen. Wenn Banken und Finanzintermediäre Bilanzen ausweiten, fließt Kapital auch in spekulative Assets. Wenn Kapitalanforderungen, Fundingkosten und Risikogewichte restriktiver werden, wird zuerst spekulatives Kapital abgebaut. Deshalb reagieren Risikoassets sensibel auf Kreditbedingungen und nicht nur auf Zentralbank-Nachrichten. ✅ Kernaussagen dieses Blocks Die echte Grenze der Kreditvergabe ist das Eigenkapital der Bank und nicht die vorhandenen Einlagen Risikogewichtung sorgt dafür, dass Banken in Aufschwüngen mehr und in Abschwüngen weniger Kredit vergeben können Prozyklik ist systemisch eingebaut und verstärkt sowohl Aufschwünge als auch Abschwünge automatisch Reserven begrenzen Kredite nicht direkt, weil Banken sich fehlende Reserven jederzeit beschaffen können Krypto reagiert auf Kreditbedingungen und nicht nur auf Zentralbank-Entscheidungen 🧠 Verständnisfragen 1. Eine Bank hat genug Reserven aber kein ausreichendes Eigenkapital. Kann sie trotzdem einen neuen Kredit vergeben? Begründe deine Antwort. 2. Warum vergeben Banken in Aufschwüngen automatisch mehr Kredite und in Abschwüngen automatisch weniger? Welcher Mechanismus steckt dahinter? 3. Du hörst: „Die Zentralbank erhöht die Reserven im System, also gibt es jetzt mehr Kredit." Was ist an dieser Aussage mechanisch ungenau?
Akademie · Marktmechanik
Kapitalanforderungen, Risikogewichtung und die realen Grenzen der Geldschöpfung
Bildung, keine Anlageberatung